Es war einer dieser Tage, an denen ich „in Gedanken“ mehr funktionierte als beim Einkaufen mit klarem Bewußtsein dabei zu sein; und deshalb erinnerte ich mich später so schwer. Das Nachdenken zog sich wie Kaugummi: Wo ist das Geld?? Wo habe ich es nur ausgegeben?!
Endlich dämmerte es mir: bei Norma! Der 50 €-Schein tauchte vor meinem inneren Auge auf. – Oh, Mann! Jetzt habe ich mich wieder über´s Ohr hauen lassen! Es ist mir tatsächlich wieder passiert! So ein Mist!
Unter diesen Gedanken stieg ich ins Auto und fuhr ärgerlich los. Ausgerechnet heute hatte ich mir den Kassenbon nicht geben lassen. Wozu auch? Für Kohlen?!… Könnte ich das Geld wiederbekommen? Schließlich war Monatsende… Aber wie? – Warum sollte die Kassiererin das leicht „verdiente“ Geld wieder herausgeben?!!

Plötzlich drängte sich mit Nachdruck die Frage auf: „Was ist, wenn sie gar nicht betrügen wollte?! Dann machst Du sie jetzt zur Betrügerin, durch Deine Gedanken, Deine Anschuldigung! Wem soll sie denn das Geld aushändigen, das zu viel in der Kasse ist?“

Verwundert über das Energisch-Einleuchtende an dieser Frage dachte ich, ich könne ja ´mal nachfragen und lenkte das Auto auf den Parkplatz.

Die Kasse war nicht besetzt. Ich sah mich um. Wie sah die Kassiererin eigentlich aus? Blond? – Ja, blond. Und welche Maske trug sie? Irgend´was Buntes. – Ich beschloß zu warten, bis Kasse 2 wieder geöffnet würde und schrieb derweil meinen Namen und Telefonnummer auf einen alten Einkaufszettel – und den 19,12 €-Betrag, den ich der 12 Cent wegen wieder erinnerte, die sie gern passend haben wollte und auf die unser beider Aufmerksamkeit gerichtet war.
Da, Kasse 2 wurde wieder aufgemacht! = von einer rothaarigen Kassiererin mit OP-Mundschutz… Rothaarig? Aber das Gesicht… Ja, das ist sie! – Hm, ich hatte wohl die Kassiererin aus dem anderen Geschäft noch im Sinn…
Ich stellte mich in die Reihe; sie konnte sich jedoch weder an mich noch an meine Kohlen erinnern… Aber an die 19 € 12 Cent? Ja, daran erinnerte sie sich. Ich gab ihr den Zettel und bat sie, mich anzurufen, falls sie 30 € zu viel in der Kasse haben sollte. Ich hätte mit einem 50€-Schein bezahlt. Sie würde mir damit sehr helfen!
Dann fuhr ich nach Hause. –

Was würde geschehen?
Mal sehen… Ich konnte nur abwarten.

Gegen Abend erhielt ich einen Anruf. Mit großer Freude vernahm ich: „Die Kollegin habe tatsächlich 30 € zu viel in der Kasse gehabt. Ich könne sie mir gerne abholen.“ Welch eine Freude!!!

Am nächsten Tag schrieb ich der 19 € 12-Kassiererin einen Brief, bedankte mich und bat sie um Verzeihung für meine Betrugs-Vermutung. (Diese Gedanken hatte ich ja nun in die Welt gesetzt…) Dann kaufte ich noch eine hübsche Pralinendose dazu und fuhr zu Norma.
Man wußte sofort Bescheid. Ich bedankte mich für ihre Ehrlichkeit, da sagte die Kollegin: „Na, das ist doch ganz selbstverständlich, daß wir das tun!“ Ich verneinte: „Nein, das ist ganz und gar nicht selbstverständlich, sondern sehr freundlich“ und bedauerte, daß ich die kleine Pralinenschachtel gewählt hatte statt der großen mit Pralinen für alle…

Auf dem Heimweg fiel mir auch die andere Begebenheit wieder ein, als ich auf die gleiche Weise mit ähnlichem Betrag und Ausgangssituation tatsächlich um rund 30 € betrogen war: hier hatte die Kollegin angeblich nicht zu viel in der Kasse gehabt… Damals stand die Unwahrheit buchstäblich im Raum; ich konnte es aber nicht beweisen.

Danke für dieses Erlebnis!

Beitragsbild: Quelle

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