Die Geschichte vom Schmetterling

2007

Ich will euch heute eine gar seltsame Geschichte erzählen, die sich vor vielen Jahren zugetragen hat:

Es war an einem der ersten Sommertage des Jahres. Die Sonne schien, der Himmel war wolkenlos blau, die Luft glasklar, und eine angenehme Wärme durchzog das Land. Ein Junge lief querfeldein und über eine große Wiese, ohne Eile und ohne Ziel. Plötzlich ereilte ihn ein hübscher Gedanke, der ihn aufhorchen und verdutzt stehen bleiben ließ: Was war das eben? Er sah auf, als könne er dem entschwundenen Gedanken nachschauen, blickte sich um und entdeckte nicht weit vor sich im Gras einen riesiggroßen Schmetterling mit Regenbogenfarben und einem wundervollen Muster. Einen wie ihn hatte der Junge noch nie gesehen, und so er fragte sich: „Steckt er vielleicht hinter der schönen Idee, die ich eben hatte?“ Er wollte ihn greifen, doch das Tier öffnete seine Flügel und flatterte davon. Er lief hinterher, ihn zu fangen, und rief: „Warte doch! So warte doch“, aber es gelang ihm nicht. Immer kurz bevor der Junge ihn fassen konnte, flog der Falter auf und ein Stück weiter. Er schien sogar dabei zu lachen und den Knaben zu necken. Das ging so eine ganze Weile, bis er ihm zurief: „Ach Menschenkind! Du kannst mich nicht fangen, niemals!“ „Ach, bitte“, bettelte der Junge, „ich will dich ja nicht fangen! Ich möchte dich ja nur einmal genau anschauen. Ich habe noch nie so einen Falter wie dich gesehen! Ich bitte dich, hab´ keine Angst und laß dich betrachten.“ Der Schmetterling antwortete aber: „Du kannst mich weder anfassen noch fangen, denn ich bin ebenso frei wie die Gedanken, bin genauso flüchtig wie sie. Deshalb ist es auch kaum jemandem möglich, uns in Ruhe zu betrachten. Du kannst es an diesem Bild erkennen.“ Der Junge sah, wie der Schmetterling einen Kreis in die Luft zeichnete und ein Bild darin auftauchte.

Das Bild zeigte einen erwachsenen Mann, der in einem Büro bei seiner Arbeit saß. Der Mann hatte feine Gesichtszüge und war gut gekleidet. Er schien gebildet zu sein und klug, denn ihn umgaben viele Bücher, die in Regalen standen, und schöne Bilder, die an den Wänden des Büros aufgehängt waren. Dann bemerkte der Junge eine Schar Gedanken, die vor dem verschlossenen Bürofenster zunächst einige Augenblicke herumtanzte, als wollte sie sich sammeln, um gleich darauf wie ein Windstoß herein zu schießen. Die Gedanken flogen um das Haupt des Mannes und durch ihn hindurch, und der Junge beobachtete, wie dieser aufhorchte und sich wundernd umsah. Der Mann konnte aber im Zimmer nichts entdecken und wiederholte schließlich murmelnd ihren Wortlaut, so wie er ihn erinnern konnte; dem Jungen fiel jedoch auf, daß er nur noch den halben Sinn erinnerte. Der Mann fühlte das wohl auch und suchte in seinem Gedächtnis nach dem Rest der interessanten Idee, die ihm die Gedanken zugeflüstert hatten, vermochte aber nichts mehr zu finden. Sie waren längst auf und davon, und er hatte ihre Spur verloren.

Das Bild verschwand, und der Schmetterling fragte: „Siehst du nun, daß du mich nicht halten kannst? Ich bin wie sie und kann niemandem gehören. Wir spenden Mensch und Tier Gedanken, die sie fröhlich machen oder auf neue Ideen bringen. Deshalb darf man uns weder fangen noch besitzen.“ „Ach, bitte, bitte, schöner Schmetterling“, jammerte der Knabe, „ich will dich ja nur ansehen, nur ein einziges Mal auf meiner Hand halten! Bitte, bitte!“

Da der Junge ihn so inständig bat, sprach der Schmetterling: „Gut, ich will dir deinen Wunsch erfüllen. Lege dich hier ins Gras und schließe deine Augen.“ Der Knabe tat wie ihm geheißen. Er schlief sofort ein und sah im Traum den Schmetterling mit all seinen Geschwistern. Sie flogen ihm zu und setzten sich auf seinen Kopf, auf seine Hände und Arme und um ihn herum, und der Junge staunte darüber, wie verschieden bunt sie waren und wie intensiv ihre Farben leuchteten. Die Wiese, auf der er saß, war bedeckt mit Schmetterlingen aller Formen und Muster. Immer wieder stiegen einige von ihnen auf und flatterten um seinen Kopf, streichelten seine Wangen und flüsterten ihm die wundervollsten, süßesten Gedanken ins Ohr, die er je gehört hatte. Er durfte sie ganz in Ruhe betrachten, nahm ihre seltsamen Muster und satten Farben in sich auf und hörte ihren spannenden frohen Geschichten zu. Manche berichteten auch von ernsten Dingen, die ihn traurig machten, und der Knabe erkannte, daß zu jedem Gefühl von Glück und Frohsinn bis zu Traurigkeit und Verzweiflung ein bestimmter Schmetterling gehörte. Der Knabe erlebte die Abenteuer, die sie erzählten, alle mit, und sie waren wundersam, das kann ich euch sagen!

Ach, wie lachte sein Herz und erfreute sich an all der bunt wirbelnden, fröhlichen Pracht!
Wie schade ist es doch für uns, daß wir nicht mit dort sein konnten; das Erlebnis war leider nur für ihn bestimmt!
Plötzlich erhoben sich die Schmetterlinge um ihn herum wie auf ein Zeichen, erfaßten ihn an Ärmeln, Hosenbeinen und seinen Hemdzipfeln und flogen mit dem Jungen empor. Der juchzte und strampelte vor Vergnügen, als er die Welt von oben sah. Es war so aufregend und wunderbar! „Fliegt noch höher, bitte, fliegt noch viel höher!“ rief er ihnen berauscht zu. Sie warnten ihn: „Das ist nicht gut für dich, es ist zu gefährlich! Die Luft ist dort oben viel zu dünn!“ Er wollte ihre Warnung aber nicht hören und verlangte, daß sie ihn immer höher trugen. Sie befolgten seinen Wunsch, und er wurde ohnmächtig.

Als er aufwachte, saß er allein auf der Wiese. Von den Schmetterlingen war nichts mehr zu sehen. Der Knabe lief noch lange hin und her in der Hoffnung, wenigstens den einen Schmetterling zu finden, denn er wollte sich entschuldigen für seinen Übermut und ihm danken für die herrlichen Erlebnisse, doch der Falter blieb verschwunden. So ging er nach Haus und begann, die erlebten Abenteuer aufzuschreiben und die Schmetterlinge aus seinem Gedächtnis auf Papier zu bringen.

Es entstanden wunderbare, farbenfrohe Bilder und viele abenteuerliche Geschichten. Schon bald fanden sich Liebhaber seiner Kunst, die ihn um weitere Bilder und mehr Geschichten baten und drängten. Der Junge malte und schrieb unermüdlich, aber nicht so sehr, weil man ihn darum bat, sondern weil ihm das, was er zustande bringen konnte, nicht gut genug war, weil es nie so schön wurde, wie er es in seiner Erinnerung bewahrte.
Er probierte alle Farben aus, die es zu kaufen gab, versuchte sich an allen möglichen Untergründen für seine Bilder, doch die Farben leuchteten einfach nicht so, wie er es wollte und gesehen hatte. Er perfektionierte seine Schreibtechnik und wurde doch das Gefühl nicht los, daß in den Geschichten, die er schrieb, etwas fehlte, etwas an das er sich vage erinnerte, das sich aber nicht so recht formulieren ließ: der Zauber, der ihn beim Zuhören und Schauen erfaßt hatte.

Je mehr er ihn aus seinem Gedächtnis auf das Papier vor sich zwingen wollte, um so stärker schien sich die Erinnerung daran zu verbergen, und je besser sie sich vor ihm verbarg, um so verbissener suchte er danach. Der Junge wurde blaß und mager, er aß und trank kaum noch und fand nachts keinen Schlaf mehr. Er konnte sich nicht damit abfinden, daß seine Bilder und Geschichten bei weitem nicht an die Originale aus seinen Erinnerungen heranreichten, und der Gedanke, daß kaum etwas in der Wirklichkeit so farbenfroh und so zauberhaft sein kann wie in unserer Phantasie, brachte ihm keinen Trost.

Schließlich wurde er sehr krank, und die Ärzte empfahlen ihm, mit dem Malen und Schreiben aufzuhören und sich nach einem für ihn gesünderen Betätigungsfeld umzusehen. Er ließ sich von ihren Argumenten überzeugen und befolgte ihren Rat. Er setzte sich hin und lernte, holte den lange versäumten Unterrichtsstoff nach und befaßte sich mit all den Dingen, die Jungen in seinem Alter nun einmal tun, und wurde allmählich wieder gesund. Die Erinnerung an sein Erlebnis auf der Wiese verblaßte zusehends und erschien ihm bald nur noch wie ein Traum, den er vor langer Zeit einmal geträumt hatte. Die Eltern hatten während seines Krankenhausaufenthaltes aus Sorge um sein junges Leben seine Bilder und Geschichten in eine Kiste gepackt und diese versteckt, und er fragte sie nie danach, als habe er ihre Existenz vergessen.

Aber so wie alles im Leben auch seine gute Seite hat, war es auch hier: Durch das unermüdliche Zeichnen und Schreiben waren seine Hand und seinen Blick geschult worden, und sein Verstand formulierte schnell und treffend alles, was er beschreiben wollte. Er konnte sicher und versiert mit Stift und Pinsel umgehen und hatte einen Blick für das Wesentliche. Diese Eigenschaften verschafften ihm zunächst ein Architekturstudium und später einen Arbeitsplatz als Stadtplaner. Es dauerte nicht lange, und er genoß den Ruf eines Menschen, der die Dinge um sich herum scharf beobachtete, sie mit Weitblick durchdachte, mit großer Voraussicht für das Wohl von Mensch und Landschaft plante und sie in wirtschaftlicher Hinsicht ebenso präzise umzusetzen wußte. Obwohl ihn sein Beruf sehr in Anspruch nahm, wanderte er so oft als möglich hinaus in die freie Natur und hielt Ausschau nach seltenen Schmetterlingen, das war seine Leidenschaft.

Die Jahrzehnte vergingen, und mit ihnen kehrte auch ganz allmählich die Erinnerung zurück; und als er eines Tages auf dem Dachboden seines Elternhauses eine verstaubte Kiste fand und in ihr Hunderte seiner Zeichnungen und Geschichten, wurde ihm klar, daß er all die Jahre unbewußt nur diesen einen Schmetterling gesucht und nie aufgehört hatte, von ihm zu träumen.

Ja, die Zeit kann wohl vergehen, doch Erinnerungen werden nie ganz aus unserem Gedächtnis gelöscht: eine Spur von ihnen bleibt uns eingeprägt auf Ewigkeit. Wieviel hatte er erlebt an Glück und Freude wie an Leid und Schmerz. Er hatte sein Leben in den Dienst der Menschen um ihn herum gestellt und ihnen viel Gutes getan, weil es sein Wunsch war, ihnen zu helfen und Freude in ihr Leben zu bringen.

Er betrachtete seine fast vergessenen Bilder, las die Geschichten aus seiner Jugend und fragte sich, ob er mit ihnen nicht ähnliches erreicht hätte und ob es richtig gewesen war, diese Fähigkeiten ganz zu vernachlässigen. Dann erinnerte er sich daran, wie sehr er sich in seinem Wunsch nach Perfektion verstrickt hatte, statt die erhaltene Gabe als das zu nutzen, was sie war: nämlich eine geschenkte Erinnerung an das Reich der Phantasie.

Nun, da er alt wurde, stellte sich diese Frage nicht mehr. Die Augen waren trüb geworden, die Hände zitterten leicht und die Beine wollten nicht mehr.
Meist saß er vor seinem Häuschen auf der Gartenbank und hörte den Vögeln zu. Die Insekten summen und Schmetterlinge flatterten umher. Wie immer, so schärfte er auch heute wieder seinen Blick, um sie zu bestimmen; ach, er hoffte immer noch… Dann schloß er wehmütig seine Augen und dachte zurück. Er sah den kleinen Jungen vor sich, wie er hinter dem wundervollen Schmetterling hinterher lief. Er erinnerte sich so genau, als wäre es gerade erst geschehen.

Der alte Mann lächelte und fühlte dann, wie etwas plötzlich seine Hand berührte. Er öffnete die Augen und sah den Schmetterling mit den Regenbogenfarben und dem wundervollen Muster auf seiner Hand sitzen. Er war groß und richtig schwer; so hatte er ihn gar nicht in Erinnerung. Freudentränen füllten seine schwachen Augen, und er flüsterte bewegt: „Ich hoffte immer, daß du eines Tages zurückkommen würdest. Ich danke dir von ganzem Herzen, lieber Freund!“ Der Schmetterling sah ihn lächelnd an und sprach: “Deine große Treue soll belohnt werden!“ Er legte eine Kette aus bunt schimmernden Perlen in die zitternde Hand. „Gib gut auf sie acht“, sagte er, „ denn es ist keine gewöhnliche Kette. Du hast dein Leben in den Dienst der Menschen um dich herum gestellt, es ihnen selbstlos hingegeben und uns dabei nicht vergessen. Diese Perlen enthalten dein Vermächtnis. Schreibe es auf und mache damit den Menschen dein letztes großes Geschenk!“ Der Alte senkte den Blick und sagte leise: „Das möchte ich wohl gern tun, geliebter Freund. Leider sind meine Augen zu schwach und meine Hände zum Schreiben zu zittrig geworden.“ Daraufhin strich ihm der Schmetterling mit seinen Flügeln über die Hände, flatterte auf und blies ihm in beide Augen und sagte: „Nun kannst du wieder sehen und deine Hände benutzen. Wir sehen uns wieder in einer anderen Welt, mein Freund! Leb wohl!“ Mit diesen Worten schwang er sich auf und flog davon, der Abendsonne entgegen. Der alte Mann sah ihm lange nach. Er hatte so viele Jahre auf diesen Augenblick gewartet, daß er es jetzt kaum fassen konnte.

Dann erinnerte er sich der Perlenkette, die er immer noch in seiner Hand hielt: sie glänzte in allen Farben des Regenbogens. Er konnte die kleinen Perlen klar erkennen und ruhig in seinen Händen halten. „Hab Dank, lieber Schmetterling! Hab tausendfach Dank!“ rief er ihm nach. Als er sie näher betrachtete, fielen ihm schwarze Pünktchen darin auf. Er ging ins Haus, um die Kette unter dem Mikroskop genauer anzusehen. Er vergrößerte die Pünktchen, und es erschien ihm, als seien es Buchstaben und sogar Worte, die durch die Perle schwebten. Dann sah er etwas, das wie eine Tür aussah, sogar einen kleinen Türknauf hatte. Der Mann suchte die feinste Pinzette, die er besaß, hervor und öffnete damit unter dem Mikroskop die Tür. Sofort schwebten alle Buchstaben und Worte zur Tür und hinaus. Erschrocken wollte er sie festhalten, doch wie? Sie entwischten ihm und flogen der Kerzenflamme auf dem Tisch entgegen, die sie dann verzehrte.

Da wurde der alte Mann sehr traurig, denn er hatte das Geschenk des Schmetterlings vergeudet. Tagelang saß er da mit der Kette in der Hand und dachte nach.

Und endlich hatte er die Idee! Er sprang auf, lief zum Schrank, entnahm ihm eine gläserne Kugelvase und stellte sie mit der Öffnung nach unten auf den Tisch. Daneben plazierte er den Kerzenleuchter und zündete ihn an. Dann nahm er erwartungsvoll die nächste Perle und öffnete unter dem Mikroskop vorsichtig die kleine Tür. Als die Buchstaben darin das bemerkten, schossen sie sofort heran und wollten hinaus. Doch der Alte stülpte rasch die Glaskugel darüber, so daß sie zwar aus der Perle heraus und dem Kerzenlicht hinter der Glaskugel entgegen schweben konnten, aber in ihr gefangen und damit erhalten blieben.

Der Alte freute sich über das gelungene Experiment und betrachtete sie nun in aller Ruhe. Es schien, als würden sie sich formieren und zu einer Schrift heranwachsen, die er mit bloßem Auge lesen konnte. Er versuchte, sie zu entziffern und entdeckte, daß sich alle Worte auf sinnvolle Weise aneinanderreihten, und begann zu lesen. Es war die Geschichte eines kleinen Jungen, der einen Schmetterling fangen wollte. Gerührt las er, bis das Licht der Kerze erlosch.

In der Dunkelheit sitzend, dachte er noch lange über die Ereignisse der jüngsten Vergangenheit nach. Sonderbar kam ihm alles vor, als steckte ein besonderer Sinn dahinter. Es war mehr als ein Geschenk, es war eine Aufgabe!
Am nächsten Tag machte er sich an die Arbeit und schrieb die Geschichte wortgetreu auf. Danach entließ er die gefangenen Gedanken aus der Glaskugel: sie schwebten prompt dem Licht entgegen und wurden von ihm aufgenommen. Der alte Mann beobachtete diesen Vorgang genau und erinnerte sich der Worte des Schmetterlings: „Du kannst uns niemals festhalten, nicht fangen und nicht behalten.“ Er bedankte sich und nahm Abschied von ihnen. Dann öffnete er die nächste Perle, fing die darin enthaltenen Gedanken in der Glaskugel auf, notierte die Geschichte, die sie erzählten, und entließ sie dankend in die Freiheit. So hielt er es von nun an jeden Tag: er öffnete eine Perle und schrieb ihren Inhalt auf.

Ein ganzer Stapel schönster Geschichten war dabei zusammen gekommen und ein volles Jahr darüber vergangen, bis nur noch eine Perle übrig war.
Der alte Mann seufzte. Er war müde geworden, todmüde. Das viele Schreiben hatte ihn angestrengt.
Er ging durch sein Häuschen. Es war ordentlich und sauber, und alles hatte seinen Platz. Dann wanderte er durch den Garten, schaute alle Blumen und Gräser, Büsche und Bäume, Vögel und Insekten noch einmal genau an, schritt alle Wege noch einmal ab und blickte den Wolken nach, die über ihn hinweg zogen. Er atmete die frische Luft und lief wieder ins Haus. Dort zündete er die Kerze an und öffnete die letzte Perle.

Doch diesmal schwebten keine Gedanken in schönen, bunten Worten in die Glaskugel: es waren lauter bunte Farbtupfer. Geduldig wartete der Alte, bis das Bild vor ihm zur Vollendung gelangte. Sein Herz hüpfte vor Freude, als er sah, was die letzte Perle enthielt: das Bild des Schmetterlings sah ihn an! Wogen des Glückes durchströmten ihn, und überwältigt vor Freude betrachtete er den Schmetterling, bis die Kerze verlosch.

Als ich am nächsten Morgen kam, fand ich ihn im Sessel sitzend entschlafen – mit seligem Lächeln auf dem Gesicht. Vor ihm auf dem Tisch stand eine Glaskugel mit einem zauberhaften Schmetterling darin, der leuchtete in allen Farben des Regenbogens und hatte ein wundervolles Muster. Entzückt hob ich die Glaskugel hoch, um das Bild am Fenster besser betrachten zu können, und alsbald verschwanden die Farbtupfer ins Licht der Morgensonne. Der letzte schaute sich noch einmal zu mir um, lächelte mich an und winkte.
Oh, was hatte ich getan!

Von Stund an suchte auch ich überall nach dem bunten Schmetterling, ohne ihn bisher gefunden zu haben.
Das Vermächtnis der Perlenkette aber, das der alte Mann niedergeschrieben hatte, blieb erhalten und soll den Menschen, die einen Sinn dafür haben, Kraft und Zuversicht bringen: für jeden Tag des Jahres eine wunderschöne Geschichte und alle miteinander so bunt und farbenprächtig wie der Schmetterling mit den Regenbogenfarben und dem wundervollen Muster.


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