2. Wie wäre es, wenn …

… wir die Erziehung & Bildung unserer Kinder und unsere Berufstätigkeit völlig neu und individuell denken dürften?

Ich hörte unlängst von einer berufstätigen Mutter mit drei Kindern folgende Aussage im Zusammenhang mit der Schließzeit von Kindergärten und Schulen: “Wenn ich nur Zuhause sein müßte und könnte nicht arbeiten gehen, würde ich verrückt werden”. Läuft hier etwas gravierend falsch?!!

Zu diesem Ausspruch muß man wissen, daß die Mutter Lehrerin ist und bis zu den Sommerferien parallel folgende Aufgaben zu bewältigen hatte:

  • Beaufsichtigen und Beschäftigen der drei Kinder
  • Hilfe leisten bei der Online-Beschulung des ältesten Kindes (d.h. helfen beim Kennenlernen der Software und ihrer Navigation, beim Verstehen der Aufgaben, beim Beantworten auftretender Fragen) und Sorge tragen dafür, daß sich das Kind täglich eine gewisse Zeit an die Schulaufgaben setzt
  • Ausdenken und Einstellen von Schulaufgaben in das schulinterne Internet, Entgegennehmen der von den Schülern erledigten Aufgaben und deren Korrektur bzw Bearbeiten des behandelten Unterrichtsstoffes in Form von persönlichen Rückmeldungen
  • organisatorische Aufgaben im Schulbetrieb erledigen (die Online-Beschulung ist ja Neuland…)
  • Bewältigen der Hausarbeit
  • Erholung und Freizeit: soweit ich erfuhr, waren die Nächte dieser Frau während dieser Zeit recht kurz, weil sie bis Mitternacht an den Aufgaben für ihre Schüler saß, da sie tagsüber von ihren Kindern in Anspruch genommen wurde
  • zum Glück konnte sie sich mit ihrem Ehemann recht einvernehmlich in die Kinderbetreuung teilen
Quelle:

Wenn nun jede Familie ihre finanzielle Versorgung sichergestellt wüßte,

würden diese beiden Eltern ihre Arbeitsstunden auf das Maß reduzieren können, das ihnen ein ausgewogenes Verhältnis aller Anforderungen erlaubt.

Eltern, die während der sog. Kindererziehungszeit Zuhause bleiben und ihre Kinder selbst betreuen und vielleicht auch unterrichten möchten, müssen dies tun können.
Andere, die während dieser Zeit ihr Studium oder Ausbildung weiterführen wollen oder arbeiten gehen möchten, sollten die entsprechenden Möglichkeiten finden.
Vielleicht ergeben sich auch in der Nachbarschaft Betreuungsmöglichkeiten bei (vorwiegend) Müttern, die neben ihren ein, zwei Kindern stundenweise noch ein weiteres Kind aufnehmen können: oft wird die Beschäftigung der eigenen Kinder leichter und deren Miteinander unkomplizierter, wenn weitere Spielgefährten dazu kommen. Ich habe dies immer wieder erlebt.

Vielleicht finden sich im Kiez auch geeignete Räume, um in ihnen einen kleinen Kindergarten einrichten zu können. Vielleicht kann der angrenzende Rasen als Spielplatz genutzt werden. Vielleicht finden sich im Wohnumfeld Männer und Frauen, die die Räume malern und kindgerecht einrichten und Spiel- und Klettergerät bauen können.

Quelle:

In meiner Vorstellung gibt es kaum noch bauliche Vorschriften: die Menschen wissen selbst, welche Materialien “bekömmlich” sind und wie eine Konstruktion sein muß, damit sie stabil ist und hält. Und was wir nicht wissen, können wir ausprobieren und so lange verbessern, bis es gut ist oder optimal.
Ebenso finde ich die vielen versicherungsrechtlichen Hindernisse überflüssig: wir können lernen, wieder verantwortungsvoll unser Miteinander zu gestalten. Als ich Kind war, war es normal und üblich, daß die größeren Kinder auf die kleinen geachtet haben; völlig egal, wo man wohnte und ob man sich kannte oder nicht. Dieses Bewußtsein kann wieder belebt werden, so daß jeder jeden immer etwas im Blick hat.

Vielleicht finden sich auch Mitbewohner, die Lust haben, für die Kinder zu kochen oder mit den Kindern zu kochen (viele Kinder freuen sich, wenn sie mittun können, was auch für´s Malern gilt und dem Bau von Spielgerät). Vielleicht entwickelt sich dabei ein Kieztreff, und es kommen Menschen hinzu, die für sich selbst nicht kochen oder es aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr schaffen… Vielleicht ist auch die Einrichtung einer Hausküche sinnvoll, wo Menschen für sich und andere kochen: energetisch ist das von Vorteil und die Zutaten kommen von allen, die mitessen. Es könnte auch eine Bachstube errichtet werden.

Räumlichkeiten für die Gemeinschaft

Und wenn wir gerade dabei sind: man könnte bei Vorhandensein geeigneter Räume auch Werkstätten einrichten, in denen das Spielgerät und andere zum Leben notwendige Dinge gebaut oder repariert werden. Vielleicht hat der eine oder andere Werkzeug, das er zur Verfügung stellen möchte.

In meiner Vorstellung gehören die vorhandenen Gebäude und das Land der jeweiligen Gemeinschaft. Sie verfügt darüber und gibt den Wohnraum an die, die ihn wollen und brauchen, ebenso Wirtschafts- und Werkstatträume für die, die eine Verwendung dafür haben. (Es klingt ziemlich danach, was uns in der DDR vom Kommunismus erzählt wurde… Der wesentliche Unterschied liegt aber darin, daß jede Gemeinschaft/ Gemeinde all ihre Vorhaben selbst bestimmt und über ihren Besitz verfügen kann! In der Kommunismus-Idee gehörte alles allen, und Selbstbestimmung und Besitz waren nicht vorhanden.)

Ich beschreibe hier nur Ideen, Gedanken und Wünsche. Was tatsächlich daraus werden kann, bestimmen die Menschen selbst – und zwar ganz speziell für jede Gegend, für ihre ganz individuelle Gemeinschaft mit ihren ganz eigenen Gegebenheiten.

Dieser Beitrag ist auf kudemi.org veröffentlicht.

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